Ratgeber · Daten

Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) erklärt

Hinter jeder seriösen Nährwertberechnung steckt eine verlässliche Datenbasis. In Deutschland ist das meist der Bundeslebensmittelschlüssel — die nationale Nährstoffdatenbank. Was er enthält, wer ihn pflegt und warum die Version 4.0 ein kleiner Meilenstein ist.

Was ist der BLS?

Der Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) ist die nationale Nährstoffdatenbank Deutschlands. Er liefert für tausende Lebensmittel die Gehalte an Energie, Makro- und Mikronährstoffen und ist das Standardinstrument für Ernährungsforschung, Ernährungsberatung und die Berechnung von Nährwerten — etwa für die LMIV-Kennzeichnung.

Wer steckt dahinter?

Entwickelt wurde der BLS in den 1980er-Jahren im Umfeld der ersten Nationalen Verzehrsstudie. Heute wird er vom Max Rubner-Institut (MRI), dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, in Karlsruhe gepflegt — die Zuständigkeit liegt dort seit 2004. Damit ist der BLS eine amtlich getragene, wissenschaftlich gepflegte Referenz.

Wie ist der BLS aufgebaut?

Jedes Lebensmittel hat einen eindeutigen siebenstelligen Schlüssel (Code), der es systematisch beschreibt. Mit jeder Stelle wird die Beschreibung genauer:

  • Die erste Stelle ist ein Buchstabe und bezeichnet die Hauptgruppe (z. B. die Lebensmittelart).
  • Die folgenden Stellen verfeinern: Untergruppe, einzelnes Lebensmittel, Verarbeitungsgrad, Zubereitungsart und der Bezug auf das Gewicht (mit oder ohne Abfall).

In der aktuellen Version umfasst der BLS rund 7.140 Lebensmittel — etwa 1.000 frische Basis-Lebensmittel und rund 6.000 verarbeitete bzw. zusammengesetzte Produkte. Zu jedem Eintrag sind bis zu 138 Nährstoffangaben hinterlegt, gegliedert in zwölf Stoffgruppen: Energie, Makronährstoffe, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Fettsäuren, Aminosäuren, fett- und wasserlösliche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, organische Säuren, Zuckeralkohole und weitere.

Version 4.0 — erstmals kostenlos

Im Dezember 2025 erschien der BLS 4.0 — mit einer wichtigen Neuerung: Er ist erstmals kostenlos nutzbar, veröffentlicht als Open Data unter der Lizenz CC BY 4.0 (bei Nutzung ist das Max Rubner-Institut zu nennen). Frühere Versionen wie 3.02 waren kostenpflichtig lizenziert. Weitere Neuerungen der Version 4.0:

  • komplett überarbeitete Lebensmittelauswahl, angepasst an heutige Ernährungsgewohnheiten (neu z. B. Pflanzendrinks, Quinoa, Buchweizen);
  • erweiterter Nährstoffumfang (u. a. Vitamin K1 und K2, differenzierte Tocopherole, sieben Ballaststofffraktionen, das Spurenelement Molybdän);
  • erstmals eine Herkunfts-Dokumentation für jeden einzelnen Datenpunkt — nachvollziehbar, ob ein Wert aus Analyse, Berechnung, Literatur oder Herstellerangabe stammt.

Der Download ist über blsdb.de möglich.

Wofür wird der BLS genutzt?

  • Ernährungsforschung & Verzehrsstudien — etwa die Auswertung der Nationalen Verzehrsstudie II;
  • Ernährungsberatung — als Datengrundlage gängiger Beratungssoftware;
  • Nährwertberechnung & -kennzeichnung nach LMIV — für Etiketten und Nährwerttabellen.

International steht der BLS neben Datenbanken wie dem analytischen Referenzwerk Souci-Fachmann-Kraut, der US-Datenbank USDA FoodData Central oder der französischen Ciqual — alle über das europäische Netzwerk EuroFIR verbunden.

Vom Datensatz zur Software: den BLS nutzbar machen

Der BLS ist eine Datenbank, kein fertiges Rechenwerkzeug: Im Download stehen Lebensmittel als Zeilen mit bis zu 138 Nährwertspalten. Für die tägliche Arbeit — ein Rezept anlegen, Zutaten den richtigen BLS-Codes zuordnen, Mengen auf Portion oder 100 g umrechnen, Zubereitungs- und Backverluste berücksichtigen und am Ende eine LMIV-konforme Nährwerttabelle samt Etikett ausgeben — braucht es eine BLS-Software.

Eine gute Lösung nimmt dir genau diese Schritte ab:

  • Zutaten zu BLS-Einträgen zuordnen — per Suche statt manuellem Code-Nachschlagen.
  • Mengen → Nährwerte automatisch hochrechnen, inklusive Rezept-Gesamtwert und Wert je 100 g oder Portion.
  • LMIV-gerecht runden und die Pflichtangaben direkt als Tabelle erzeugen.
  • Allergene aus der Zutatenliste erkennen und hervorheben.

Weil der BLS 4.0 jetzt kostenlos (CC BY 4.0) ist, können solche Tools die amtliche Datenbasis ohne Lizenzkosten einbinden — gute Nachricht für kleine Betriebe und Manufakturen, die bisher vor der BLS-Lizenz zurückschreckten.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Angaben zu Umfang und Version beziehen sich auf den BLS 4.0 (Stand Dezember 2025); maßgeblich sind die Veröffentlichungen des Max Rubner-Instituts.