Ratgeber · Allergene
Milch — das Allergen Nr. 7 nach LMIV
Milch ist eines der häufigsten Allergene — und steckt in weit mehr als Käse und Joghurt: als Casein oder Molkenpulver in Wurst, Backwaren und Schokolade. Der wichtigste Merksatz: „laktosefrei" heißt NICHT „milchfrei". Hier liest du, wo Milch drin ist, welche Kennzeichnungspflichten gelten und wo die wenigen Ausnahmen liegen.
Was ist das Milch-Allergen?
Milch und daraus gewonnene Erzeugnisse (einschließlich Laktose) stehen als Nummer 7 in Anhang II der LMIV (VO (EU) Nr. 1169/2011). Erfasst sind alle Milchbestandteile — Milcheiweiß (Casein, Molkenprotein), Milchzucker (Laktose), Butterfett usw.
„Laktosefrei" ist NICHT „milchfrei"
Ein zentraler und oft verwechselter Punkt:
- Laktoseintoleranz = Unverträglichkeit des Milchzuckers. Hier helfen „laktosefrei"-Produkte.
- Milchallergie = Reaktion auf das Milcheiweiß. Hier helfen laktosefreie Produkte nicht — sie enthalten weiterhin Casein/Molkenprotein.
Deshalb ist ein „laktosefreies" Produkt weiterhin als Milch-Allergen kennzeichnungspflichtig.
Wichtig zur Einordnung: Die LMIV regelt die Auslobung „laktosefrei" nicht. Das Wort „Laktose" kommt im gesamten Verordnungstext genau einmal vor — in Anhang II Nr. 7 („Milch und daraus gewonnene Erzeugnisse (einschließlich Laktose)"). Einen EU-weit festgelegten Grenzwert für die Angabe gibt es nicht. Der in Deutschland gebräuchliche Wert von unter 0,1 g Laktose je 100 g bzw. 100 ml ist Praxis, keine Vorgabe der LMIV. So oder so ersetzt die Angabe „laktosefrei" die Allergeninformation nicht.
Wo steckt Milch — auch versteckt?
- Offensichtlich — Milch, Butter, Sahne, Joghurt, Käse, Quark, Molke, Kondensmilch.
- Als Milcheiweiß — Casein/Caseinat oder Molkenpulver in Wurstwaren, Brühwurst, Backwaren, Schokolade, Brotaufstrichen.
- Als Milchzucker — Laktose als Träger-/Füllstoff, auch in manchen Fertiggewürzen und Medikamenten.
- Versteckt — Butterreinfett/„Butteraroma", Sahnesaucen, Panaden, Cremesuppen.
Schaubild: Foodlex. VO (EU) Nr. 1169/2011, Anhang II. Beispiele aus der Praxis.
Die Ausnahmen
Milch kennt nur zwei ausdrückliche Ausnahmen (Anhang II Nr. 7):
| Ausgenommen | Hinweis |
|---|---|
| Molke | zur Herstellung alkoholischer Destillate (inkl. Ethylalkohol landw. Ursprungs) |
| Lactit | Zuckeralkohol (Süßungsmittel E966) |
Alles andere aus Milch — einschließlich Laktose — ist kennzeichnungspflichtig.
So kennzeichnest du Milch korrekt
Im Zutatenverzeichnis vorverpackter Ware muss die milchhaltige Zutat genannt (z. B. „Milch", „Butter", „Molkenpulver", „Casein") und hervorgehoben werden — meist durch Fettdruck (Art. 21 LMIV). Bei loser Ware in der Gastronomie gilt § 4 LMIDV; auf der Speisekarte löst du es über das Fußnoten-System.
Häufige Fragen
Bedeutet „laktosefrei“ auch „milchfrei“?
Nein. Laktosefreie Produkte enthalten weiterhin Milcheiweiß (z. B. Casein, Molkenprotein) und sind damit weiterhin als Milch-Allergen kennzeichnungspflichtig. „Laktosefrei“ hilft nur bei Laktoseintoleranz, nicht bei einer Milchallergie. Die LMIV regelt die Auslobung „laktosefrei“ nicht — das Wort „Laktose“ steht dort nur in Anhang II Nr. 7 —, und einen EU-weiten Grenzwert gibt es nicht. Der in Deutschland gebräuchliche Wert von unter 0,1 g Laktose je 100 g/ml ist Praxis, keine Vorgabe der LMIV.
Wo steckt Milch versteckt drin?
Neben offensichtlichen Produkten (Butter, Käse, Sahne, Joghurt) auch als Casein/Caseinat, Molkenpulver oder Milchzucker in Wurstwaren, Backwaren, Schokolade, Brotaufstrichen und vielen Fertigprodukten.
Gibt es bei Milch Ausnahmen von der Kennzeichnung?
Ja, zwei: Molke zur Herstellung von alkoholischen Destillaten (einschließlich Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs) sowie Lactit. Alles andere aus Milch — inklusive Laktose — ist kennzeichnungspflichtig.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Medizinberatung. Maßgeblich ist der jeweils gültige Verordnungstext (Anhang II Nr. 7 der VO (EU) Nr. 1169/2011).